Europa im Garten

Das für dieses Jahr ausgewählte Thema eignet sich vor dem Hintergrund des für 2018 vom Europäischen Parlament und dem Europarat ausgerufenen „Europäischen Jahres des Kulturerbes“ besonders gut.
© Villa Belveder

Die Gärten spielten schon immer eine wichtige Rolle innerhalb des gemeinsamen Kulturerbes der Europäer. Seit der Renaissance werden Verträge zur Gartenkunst, Pläne und Modelle zur Anlage von Beeten, Gravuren und andere Bilder in ganz Europa verbreitet. Die Verträge wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und häufig neu aufgelegt.

Das ins Polnische, Russische, Portugiesische, Spanische, Deutsche, Englische, Italienische und Holländische übersetzte Werk von Jacques Delille „Die Gärten Oder Die Kunst Der Verschönerung Der Landschaften“ zeigt, dass die Literatur über französische Gartenkunst sich schon immer großen Interesses und Anerkennung weit über die Grenzen Frankreichs hinaus erfreut.

Im 18. Jahrhundert brachen Architekten und Maler, Landschaftsarchitekten und Gärtner zu ihrer großen Reise auf: Sie reisten von England, über Frankreich, Belgien, die Niederlande, Deutschland und Italien bis nach Griechenland, ja sogar bis in die Türkei, um alte oder barocke Bauwerke und die Gärten königlicher oder fürstlicher Anwesen zu besichtigen und ihr Wissen und Können auszutauschen.

Naturforscher reisen um die ganze Welt, um ihr Pflanzenmaterial und ihre Erfahrungen auszutauschen. Der Schwede Carl von Linné unterhielt beispielsweise Verbindungen zu den Niederländern Gronovius, Clifford und Boerhaave, zum Engländer Philip Miller, zum Österreicher Scopoli, zur russischen Kaiserin Katharina der Großen und zu den Franzosen Bernard de Jussieu, Philibert Commerson und Claude Richard.

Noch heute schließen sich Botaniker und Pflanzenkundler in europäischen und internationalen Netzwerken zusammen.

Auch Pflanzen reisen. Das 19. Jahrhundert gilt als das Goldene Zeitalter des Gartenbaus in Europa, zahlreiche Gärtnereien entstanden und florierten. Die Pflanzenkataloge wurden mehrsprachig, um so der gestiegenen Nachfrage zu entsprechen. Sammlerstücke wurden nun auf Märkten gehandelt. Dieses Phänomen zeugt vom Übergang von der wissenschaftlichen zur kapitalistischen Botanik, einer Industrie, die in ganz Europa zu erblühen beginnt.

Dies war gleichzeitig der Beginn der Bildung von Expertennetzwerken, wie dem der Landschaftsarchitekten. 1948 wurde auf Initiative britischer Landschaftsarchitekten der erste internationale Berufsverband der Landschaftsarchitekten, die IFLA (International Federation of Landscape architects), gegründet. Gärtner und Gartenplaner bauten diese Organisation in dem Bewusstsein einer gemeinsamen Aufgabe und Vision auf, die es zu verteidigen galt.

Ein Europa der Gärten wird auch über solche Reisen aufgebaut, bei denen wir mit Freude und Interesse die Gärten Europas in ihrer ganzen Vielfalt entdecken und Gemeinsamkeiten feststellen.

Der Austausch zwischen den Gärtnern und das Teilen von Erfahrungen und Kenntnissen im Gartenbau zwischen unseren verschiedenen Ländern tragen zu einem besseren Verständnis der angewandten Methoden und des gesammelten Wissens bei. Das Wissen, wie man in England eine gemischte Rabatte oder in Deutschland ein Teppichbeet anlegt, wie in Spanien Hecken geschnitten werden, wie in Frankreich Broderieparterren abgesteckt oder Kübelpflanzen angebaut werden, wie in Italien antike Gartenkunst bewahrt und gepflegt wird, könnte zum gemeinsamen Fundament für europäische Gärtner werden.

Die Entwicklung des Tourismus hat viel zum Europa der Gärten beigetragen. Touristennetzwerke wie das EGHN (European Garden Heritage Network) verbinden dank regionaler Strecken seit rund 15 Jahren fast 200 Parks und Gärten in 14 europäischen Ländern. Eine viersprachige Internetseite, elektronische Newsletter, Ausstellungen, Broschüren, Vorträge über die Kunst und die Verwaltung von Parkanlagen und Gärten sowie die Verleihung von Preisen (historischer Garten, moderner Garten, Garten-Events, usw.) machen dieses Netzwerk lebendig.

Italienische Gärten, Französische Gärten, Englische Gärten oder Spanisch-Maurische Gärten wurden überall auf dem europäischen Kontinent angelegt und inspirieren auch heute noch zeitgenössische Künstler.

Französisches Kulturministerium